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© BUND-Bezirksverband Stromberg-Neckartal  - letzte Aktualisierung 18.05.2018
Waldbegehung mit Förster Renner im Gemeindewald Löchgau Obwohl die Wetterprognose schlecht war, sind einige Interessierte zur Waldbegehung gekommen, zu der der BUND BV Stromberg-Neckartal eingeladen hat. Bei dieser Gelegenheit stellte Förster Renner die Ziele der Holzwirtschaft unter den Aspekten des Klimawandels sowie weiterer Umwelt- und Standortfaktoren in seinem Forstrevier vor. Zu Beginn der Führung ging er auf den Waldumbau der Nadelhölzer ein. Dabei fiel die Bemerkung: „ …dass die Fichte keine Zukunft mehr bei uns hat…!“ Diese Nadelbaumart benötigt ein kühleres Klima und wird in Zukunft nur noch in höheren Lagen angebaut werden. Außerdem bildet die Fichte ein Flachwurzelsystem aus, das bei den zunehmenden starken Stürmen weniger Halt bietet. Die aus Nordamerika stammende Douglasie und die heimische Wald-Kiefer werden die Fichte ersetzen. Erstere ist borkenkäfer- sowie trockenresistent, mit ihrer Herzwurzel ist sie standfester und kann in tiefere Schichten des Bodens vordringen, um an Wasser zu gelangen. Außerdem wächst sie schneller und ihr Holz ist wertvoller als das der Fichte. Die Kiefer erträgt Ton- und auch Sandböden, von sauer bis kalkhaltig, nass bis trocken, dies sind optimale Eigenschaften in Bezug auf die Klimaveränderung und der Grund, in Zukunft auf die Wald-Kiefer zu setzen. Bei diesen Ausführungen erfuhren die Teilnehmer auch, dass es sich bei der sogenannten „Blau-Tanne“, die oft in älteren Gärten als „Hausbaum“ gepflanzt wurde, aus botanischer Sicht nicht um eine Tanne, sondern um eine Fichte handelt, die ebenfalls nur Flachwurzeln ausbildet und somit ab einer bestimmten Größe und im Alter sturmanfällig wird. Bei den Laubbäumen findet der Waldumbau eindeutig in Richtung Eiche statt, sie ist die klimastabilste und wertvollste Baumart und kann mit ihrer Pfahlwurzel auch tonige Oberböden durchdringen. Im Bruchwald wurde dazu in der Vergangenheit eine 1 ha große Fläche geräumt und die Eichenmast 2007 und 2009 genutzt, um eine Naturverjüngung der Eiche zu erzielen. Dies bedeute in den ersten Jahren zwar mehr Pflegeaufwand, da die Eiche gegenüber anderer Gehölzarten konkurrenzschwächer ist. Diese Bemühungen lohnen sich aber, da Eichenholz immer sehr gut nachgefragt wird. Außerdem ist der Anbau von Eiche historisch bedingt erwünscht. Ökologisch ist die Eiche ebenfalls sehr wertvoll, da sehr viele Arten auf sie angewiesen sind, insbesondere der vom Aussterben bedrohte Hirschkäfer. Bei der Forstwirtschaft fehlt die Zerfallsphase, wie sie in natürlichen Wäldern üblich ist, darum werden auch keine Lesescheine wie früher mehr ausgegeben, mit denen die Genehmigung erteilt wurde, abgestorbene Bäume und liegendes Totholz zu nutzen. Außerdem nimmt Löchgau seit 2011 auch am Alt- und Totholzkonzept von Baden- Württemberg teil, damit ein Teil der Bäume diese Zerfallsphase wieder durchmachen kann. Dieses Konzept besteht aus 3 Säulen. Die erste Säule dient dem Erhalt von Einzelbäumen, bei denen Baumhöhlen erkennbar sind. Bei der zweiten Säule ist vorgesehen, Baumgruppen, die aus min. 5 Bäumen bestehen, aus der Bewirtschaftung zu nehmen, damit sie sich zu Habitatbäumen entwickeln können. Die 3. Säule sieht vor, weniger wertvolle Baumbestände von min. 1 ha ganz aus der forstwirtschaftlichen Bewirtschaftung zu nehmen, damit auf diesen Flächen wieder eine natürliche Waldentwicklung stattfinden kann.