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© BUND-Bezirksverband Stromberg-Neckartal  - letzte Aktualisierung 28.05.2018
„Wir fordern, die Verhandlungsdokumente offen zu legen, und eine alternative Handels- und Investitionspolitik, die dem Gemeinwohl und der Umwelt Vorrang einräumt“, wiederholt Bernd Moritz von Attac, einer der Sprecher, durch ein Megaphon immer wieder die zentralen Forderungen. Der Weg des Demonstrationszugs führt vom Bahnhof über Wein-, Bietigheimer und Mattesstraße, vorbei am E-Center und weiter über Europaplatz, Hauptstraße, Kelterplatz und Kirchstraße hinauf zum Marktplatz. Attac, das globalisierungskritische Netzwerk, ist nur eine von vielen Organisationen, die zu dem Protestzug aufgerufen hat. So gehören auch das Bündnis Mensch und Umwelt Besigheim (BMU), der BUND-Bezirksverband Stromberg Neckartal, der Kulturverein Wartesaal, der SPD-Ortsverein Tamm, der Arbeitskreis Kommunalpolitik Kirchheim, der Verein für gentechnikfreie Landkreise Ludwigsburg/Rems-Murr, das Walheimer Forum und die Nabu-Ortsgruppe Neckar-Enz zu den Veranstaltern. Zudem werden auch Parteifahnen von Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen geschwenkt. Zu der Demonstration haben sich also Aktivisten unterschiedlicher Couleur sowie kulturell und kommunalpolitisch Engagierte versammelt. Was zunächst als bunt gemischtes Sammelbecken erscheint, gewinnt allmählich Kontur. Bei jeder ihrer Kundgebungen vor dem Bahnhof sowie auf Europa-, Kelter- und Marktplatz – beleuchten Redner die Thematik unter anderen Aspekten. So warnt der Biolandwirt Robert Trautwein vom Verein für gentechnikfreie Landkreise Ludwigsburg/Rems-Murr davor, dass mit den Handelsabkommen dem Anbau von gentechnisch verändertem Saatgut in Europa Tür und Tor geöffnet werde. Und die Besigheimer  Musikerin Ulrike Baral-Firnau erklärt, welche Auswirkungen diese auf die Kultur haben könnten. Dabei manifestiert sie ihre Erläuterungen mit Einschätzungen des Deutschen Kulturrates, den sie wie folgt zitiert: „Mit dem Wegfall der Buchpreisbindung stünden kleinere Buchhandlungen vor dem Ruin, aufgrund der sogenannten Meistbegünstigungsklausel müssten Theater und Museen auf überlebenswichtige Fördermittel verzichten und ohne Filmförderung könnte kaum eine Idee der europäischen Filmbranche das Licht der Leinwand erblicken. Der gesamten Kulturbranche droht eine komplette Unterwerfung unter marktwirt- schaftliche Kriterien.“Die BMU-Stadträtin Miriam Staudacher und Bernd Moritz gehen in ihren Reden noch weiter, indem sie die Unterminierung demokratischer Einrichtungen beschwören. Moritz bezeichnet dabei die Abkommen als „neoliberale Zwangs- jacken“ und „intransparente Geheimverhandlungen, die allein Konzernen dienen“. Auch Staudacher wertet die geplanten Handels- vereinbarungen als „Angriff auf demokratische Rechtsstaatlichkeit“, welcher „Auswirkungen auf die kommunale Selbstverwaltung hat“, „zum Abbau von Gesetzen zum Schutz von Mensch und Umwelt führt“ und „eine Gefahr für die Wahrung und Durchsetzung von Arbeitnehmerinteressen ist“. Daher habe das BMU vor zwei Wochen den Antrag gestellt, dass die Besigheimer Verwaltung sich an die Landesregierung wenden und diese bitten soll, die Sorgen der Stadt an die Bundesregierung weiterzuleiten. Da das BMU allerdings nur vier von 18 Sitzen im Rat innehat, braucht es dafür noch Stimmen aus den anderen Gemeinderatsfraktionen und -parteien, also von CDU, Freie Wähler, SPD und FDP. LUITGARD SCHABER
Unmut wird lautstark geäußert Trillerpfeifen, Trommelschläge und die schrill-schrägen Klänge von Tröten lassen die Menschen in den Straßen und Gassen des sonst eher beschaulichen Besigheims aufhorchen. Anwohner schauen aus den Fenstern und Cafébesucher beobachten den vorbeiziehenden Demonstrationszug. Etwa 300 bis 400 Aktivisten, so schätzt die Polizei, haben sich am Samstagmittag versammelt, um gegen Freihandelsabkommen zu protestieren. „Stoppt TTIP, CETA & Co“, ist auf Schildern zu lesen, die sie hochhalten. Die Abkürzungen stehen für Transatlantic Trade an Investment Partnership und Comprehensive Economic and Trade Agreement und bezeichnen Freihandelabkommen, welche die Europäische Union  mit den USA beziehungsweise Kanada abzuschließen plant.
PROTEST GEGEN FREIHANDELSABKOMMEN: DIE DEMONSTRANTEN IN BESIGHEIM. FOTO: ALFRED DROSSEL 
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